
1935 bis 1945
Der Fliegerhorst wurde ca 1935 vom Reichsministerium für Luftfahrt in
Auftrag gegeben und 1938 feierlich mit Feldmarschall Göhring eingeweiht. Als
Baustil wurde der Heimatstil verwand, man errichtete alles aus Backsteinen.
Die meisten Gebäude wurden mit einem Walmkrüppeldach versehen. Die
Erschließung des Geländes und der Bau der Kaserne kosteten 44 Millionen
Reichsmark. Der Horst wurde mit dem Besten und Modernsten, was man damals
hatte ausgerüstet, wie z.B. Navigationshilfen für Schlechtwetteranflug,
Zentralheizung für jedes Gebäude, fast vollautomatische Kohlenbunker, bei
denen das Schippen der Kohle in die Kohlenbunker entfiel. Außerdem hatte man
Bahngleise mit einem kleinen Verladebahnhof und einem Gleis zur Befüllung
der Tankstelle etc. verlegt. Ein großes Kühlhaus und ein Freibad mit großer
Terrasse wurden gebaut, aber leider wurde das Bad nie vollendet, dennoch
sieht man die Umrisse noch heute! Das Flugfeld bestand aus 4 Hangars mit
einem kleinen Vorfeld. Außerdem gab es eine sehr große Werfthalle mit
Lackiererei, Metall- und Beizanlagen. Zusätzlich gab es einen Holzhangar,
welcher mit einem separaten Vorfeld und mit dem Vorfeld der Werft verbunden
war. Dazwischen befand sich die Flugleitung, welche noch heute dort ist.
Steht man vor dem Haupteingang und schaut nach rechts, so sieht man einen
weiteren Gebäudekomplex welcher von einem Zaun umgeben ist. Dieser war der
Wohnbereich der Offiziere. Die ersten 3 Doppelhäuser wurden von den
Stabsoffizieren (z.B. Marcus, Kuhn, Bindner, Klein) bewohnt. Daneben stand
die damalige Villa des Kommandanten.
Hier wohnten die Generäle (wenn sie zu
Besuch waren ), aber auch z.B. Freiherr von Maltzahn und Oberst Mölders.
Leider wurde die Villa bei einem Angriff getroffen und nach dem Krieg etwas
moderner wieder aufgebaut. Nur die Terrasse und die Autogarage sind noch im
Originalzustand vorzufinden. Des weiteren befanden sich noch 2
Unterkunftsgebäude, Tennisplätze und das Offiziersheim/Kasino darin. All
diese Gebäude sind noch vollständig erhalten und nur im Inneren
modernisiert. Das ganze Gelände lag fast vollständig im Wald, so dass man
die Gebäude recht schlecht erkennen konnte. Die US Armee hat später den Wald
gerodet und noch 6 weiter Unterkünfte gebaut. Das Kasino ist heute der Sitz
der Militärpolizei (MP), ansonsten werden die Gebäude weiterhin als
Unterkünfte benutzt.
Während des Frankreichfeldzuges und dem Luftkampf um England hatte der Horst
seine Blütezeit. Fast stündlich stiegen die Fighter zu ihren Einsätzen auf.
Leider kamen auch im gleichen Takt Verwundete von den Fronten zurück und es
herrschte ein richtiger Pendelverkehr von Ambulanzen zu den umliegenden
Krankenhäusern.
Die ersten militärischen Einheiten kamen im Februar/März 1937 vom
Fliegerhorst Staaken mit dem Geschwader JG 134, Horst Wessel. Im Laufe des
Jahres 1937 kam dann ziv. und militärisches Personal von Kassel-Calden,
sowie von der Fliegerschule A/B aus Detmold. Zusätzlich wurde hier
am 15.3.1937 das Jagdgeschwader 334 aufgestellt, welches aus insgesamt 9
Staffeln und dem Stab bestand. Zudem gab es eine Horstkompanie, deren
Soldaten waren für den Betrieb des Horstes zuständig,wie z.B.
Küchenpersonal, Schreinerei, Schlosserei, Schäfer für die Landwirtschaft,
Wachpersonal etc.
Aus dem JG334 wurde am 1 Mai 1939 das legendäre II. JG53 PIK AS Geschwader
aufgestellt. Es bestand aus 3 Staffeln und hatte folgende
Gruppenkommandeure:
- Maj Hubert von Bernegg (-18.8.1938),
- Maj Freiherr von Maltzahn (19.8.1939-8.10.1940),
- Hptm Heinz Bretnuetz (9.10.1940-27.6.1941).
Belegt war es mit den Luftfahrtmuster Bf 109 E.
Fast täglich übten die Einheiten Luftkämpfe etc. Dazwischen gab es auch
sportliche Wettkämpfe wie Fußballturniere, Horstmeisterschaften in
Leichtathletik und im Soldatendreikampf.
Im Laufe der Zeit kamen immer mehr Einheiten auf dem Horst und eine
Flugschule A/B. wurde aufgebaut. Dadurch kamen sehr viele verschiedene
Luftfahrzeugmuster und Einheiten zum Einsatz. Man war so etwas wie ein Top
Gun, wo die Piloten den letzten Schliff bekamen, bevor sie an die Front
mussten. Die bekannten Fliegerasse wie Moelders, Freiherr von Malzahn,
Hermann Graf etc., waren hier bei Umschulungen anzutreffen.
Weitere Einheiten, die nachweislich auf dem Fliegerhorst waren:
- II./JG52
- JG 133
- JG 334
- JG 53
- JG 72
- JG 3
- JG 51 Moelders
- ZG 52
- 10.(Nj.)JG72
- V.(Z)LG1
- Arbeitsplatz Fliegerschule FFS A/B 121
- Arbeitsplatz Fliegerschule FFS(C) 9
- Arbeitsplatz Fliegerschule FFDS A/B 121
- 11./JG2
- 1., 2. und 3. Ergänzungsjagdgruppe Süd
Am 14. August 1944 erfolgte dann der große Angriff auf den Horst, welcher ihn
zu 2/3 zerstörte. 72 B-17 Bomber der USAAF kamen gegen 12 Mittags und warfen
ihre Bombenlast ab. Einigen Augenzeugen berichten von einer Feuersbrunst,
die Stunden dauerte. (Mehr Details im Buch!)
Der Wiederaufbau wurde dann von Häftlingen des KZ SS Außenlagers Hinzert auf
dem Fliegerhorst Sandhofen erbracht, welches zur gleichen Zeit auf dem Horst
eingerichtet wurde. Dieses KZ war bis vor kurzem noch unbekannt und ist nun
von mir wieder entdeckt und ins Gedächtnis gebracht worden. In meinem Buch
werden Sie ein eigenes Kapitel mit sehr vielen Berichten von Insassen und
über ihr Leben im KZ wieder finden.
Im März 1945 sprengten Häftlinge dann mit Blindgängern, die man in ganz
Mannheim gesammelt hatte, das ganze Flugfeld und einige Hallen, sodass es
für den nahenden Feind unbrauchbar wurde. Am 26.3.1945 kamen dann die
Amerikaner über den Rhein und besetzten das Gebiet nach einem zweitägigen
blutigen Kampf.

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